Anamnese:
- ♂, 58 Jahre
- Nach Akut-PCI bei STEMI
- initial beschwerdefrei, dann „Unwohlsein“
EKG-Interpreation:
Links am EKG-Streifen sind ein bradykarder junktionaler Rhythmus mit VES sichtbar. Aufgrund der VES wird eine Torsades-de-pointes-Tachykardie ausgelöst.
Torsades de pointes: Wenn sich die QRS-Komplexe um die Nulllinie drehen
Die Torsades-de-pointes-Tachykardie, kurz TdP, ist eine potenziell lebensbedrohliche Form der polymorphen ventrikulären Tachykardie. Charakteristisch ist das EKG-Bild mit wechselnder Amplitude und Achse der QRS-Komplexe – sie scheinen sich förmlich um die isoelektrische Linie zu „drehen“.
Entscheidend ist die verlängerte QT-Zeit
Eine Torsades de pointes tritt typischerweise bei verlängerter QT-Zeit auf. Häufig beginnt sie nach einer Pause oder einer langen RR-Sequenz durch eine früh einfallende ventrikuläre Extrasystole. Kurze Episoden können spontan terminieren, jedoch rezidivieren und jederzeit in Kammerflimmern übergehen.
Zu den wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren gehören:
- QT-verlängernde Medikamente, etwa bestimmte Antiarrhythmika, Antibiotika, Antipsychotika oder Antiemetika
- Hypokaliämie, Hypomagnesiämie und Hypokalzämie
- ausgeprägte Bradykardie oder höhergradiger AV-Block (z.B. im Rahmen eines Myokardinfarktes)
- angeborenes Long-QT-Syndrom
- Kombination mehrerer QT-verlängernder Medikamente oder relevante Arzneimittelinteraktionen
Akuttherapie
Bei Pulslosigkeit muss unverzüglich mit der kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden und eine Defibrillation durchgeführt werden. Sollte noch ein Puls vorliegen, muss eine elektrische Kardioversion durchgeführt werden.
Magnesiumsulfat wird intravenös verabreicht – auch wenn der Magnesiumspiegel im Normbereich liegt.
Zusätzlich müssen auslösende Medikamente abgesetzt und Elektrolytstörungen konsequent korrigiert werden. Insbesondere Kalium sollte in den oberen Normbereich angehoben werden. Bei rezidivierenden, bradykardieabhängigen Torsades-de-pointes-Episoden kann eine Frequenzsteigerung durch einen temporären transvenösen Schrittmacher erforderlich sein.
Isoprenalin kommt bei ausgewählten erworbenen Long-QT-Situationen infrage, jedoch nicht beim angeborenen Long-QT-Syndrom.
Wichtig: QT-verlängernde Antiarrhythmika wie Amiodaron können die Situation verschlechtern und sind bei einer echten Torsades de pointes zu vermeiden.
Merksatz
Polymorphe ventrikuläre Tachykardie plus verlängerte QT-Zeit bedeutet: an Torsades de pointes denken, Magnesium geben, Elektrolyte korrigieren und QT-verlängernde Medikamente stoppen.